Bleibt die Kirche im Dorf?

Der Druck auf die Kirchgemeinden wächst. Die Tösstaler KG diskutierten über Zusammenschlüsse. Im Bild die Kirche Wila (Foto: abs)

Die Kirchen leiden unter Kirchenaustritten und sinkenden Steuereinnahmen. Der Kirchenrat hat aus diesem finanziellen Druck heraus das Massnahmenpapier «KirchGemeindePlus» verfasst, welches Neustrukturierungen und Zusammenschlüsse von Kirchgemeinden vorsieht. Das Zusammenlegen von personellen und finanziellen Ressourcen sollte zu grösseren Einsparungen führen.

Der Ball wurde vom Kirchenrat den einzelnen Gemeinden zugespielt. Der Auftrag lautet sich nach geeigneten Partnern umzusehen und diesen Prozess möglichst bis anfangs 2018 umzusetzen, damit die angestrebten Einsparungen erreicht werden. Das aber führt auch zu Umstrukturierungen, die den Einzelnen nicht wenig Sorgen und Ängste bereiten.

Die ersten Kontakte im Tösstal finden bereits seit einigen Monaten auf der Ebene der Kirchenpräsidien und der Pfarrschaft statt. Nachdem die Präsidentinnen und Präsidenten der Kirchgemeinden Bauma-Sternenberg, Turbenthal, Wila, Wildberg und Zell die nötige Vorarbeit für ein Treffen für Behörden und Pfarrschaft lanciert hatten, fanden sich alle am 21. März 2015 im Haus der Stille in Wildberg zu einer ersten Besprechung ein.

Ein bunter Strauss von Menschen, Vorstellungen und Meinungen kam zusammen, um sich gemeinsam auf den Weg zu machen. KirchGemeindePlus will eigentlich nicht nur eine Sparübung sein! Die Mittel sind zwar am Schwinden, gleichzeitig gilt es aber auszuloten, wo neue Chancen und Möglichkeiten durch Zusammenarbeit und Zusammenschlüsse entstehen könnten.

Das vorerst abstrakte Gebilde KirchGemeindePlus muss konkrete Formen annehmen. Sorgsames Vorgehen und Abwägen ist angesagt. Gewachsene Strukturen müssen dabei beachtet werden. Trotzdem werden uns Veränderungen auferlegt und auch Verzichte müssen geleistet werden. Nicht alles wird bleiben, wie es ist.

Wie aber kann eine Gesamtkirchgemeinde über 20 Kilometer von Kollbrunn bis nach Bauma-Sternenberg aussehen? Kommt es zu einer Gesamtkirchenpflege? Wie viele Pfarrpersonen und Stellenprozente braucht dies? Wie gross wird der Stellenabbau der Pfarrämter und anderer Stellen sein? Die wachsende Bedeutung der Freiwilligenarbeit lässt fragen, wie diese generiert werden kann? Wo entstehen allenfalls Synergien? Wie werden künftig Jugendarbeit und Religionsunterricht gestaltet? Wie sieht die neue Stellenbeschreibung der Pfarrpersonen aus, welche nach wie vor das «Grundangebot» (Kasualien, Seelsorge und Gottesdienste) der Gemeinden abdecken?

Trotzdem sieht sich die Kirche nicht nur als Fassaden-Erhalterin ehrwürdiger Bauten! Die Räume sollten auch mit neuem Leben gefüllt werden. Ein grosser Teil der Arbeit kann in Zukunft kaum mehr bezahlt werden, sie muss aus Überzeugung, freiwillig geleistet werden.

Am Schluss der Veranstaltung in Wildberg berieten sich die einzelnen Kirchenpflegen unter sich. Die anschliessende konsultative Umfrage zeigte, dass die Kirchenpflegen und Pfarrpersonen von Bauma-Sternenberg, Turbenthal, Wila, Wildberg und Zell sich einig sind, den Kontakt untereinander weiterhin intensiver zu pflegen und zu prüfen, den Weg weiter gemeinsam zu gehen.

An den kommenden Juni-Kirchgemeindeversammlungen werden die Kirchenpflegen ihre Mitglieder über das weitere Vorgehen orientieren. Die Präsidien erhielten den Auftrag, die nächsten Schritte zur Konkretisierung einzuleiten. Der Weg ist noch lang und die endgültigen Entscheide werden die Mitglieder der Kirchgemeinden fällen.