«Eine Million: das halte ich nun wirklich für verschenkt»

Ein kurzfristiger Verkauf der «Tanne» kommt für Gemeindepräsident Andreas Sudler nicht in Frage (Foto: Archiv tth)

Die IG pro Bauma führt an der Baumer Gewerbeshow eine Umfrage zur Zukunft des Gasthauses zur Tanne durch. Gemeindepräsident Andreas Sudler begrüsst dies. Kurzfristig werde die Gemeinde die «Tanne» aber sicher nicht verkaufen.

Das gemeindeeigene Gasthaus zur Tanne in Bauma gibt momentan viel zu reden. Der jetzige Pächter hat nach rund fünf Jahren per Ende Juli gekündigt. In der «Baumerziitig» ist letzthin eine Schnitzelbank erschienen, die sich auf närrische Weise mit der Politik rund um das Gemeindehaus auseinandersetzte. Und an der Baumer Gewerbeshow macht die IG pro Baume eine Umfrage zur Zukunft der «Tanne». Unter anderem will sie den Bürgern dabei die Grundsatz-Frage stellen, ob das Gasthaus verkauft werden soll.

Herr Sudler, die IG pro Bauma führt an der Gewerbeshow eine Umfrage zur «Tanne» durch. Was halten Sie davon?

Andreas Sudler: Diese Umfrage ist grundsätzlich keine schlechte Idee und ich finde es gut, dass die IG der Bevölkerung den Puls fühlt. Das habe ich IG-Präsident Werner Berger auch so gesagt. Er hat den Gemeinderat im Vorfeld über die Umfrage informiert. Die Gewerbeshow scheint mir aus-serdem ein geeigneter Ort für eine solche Umfrage, weil das Publikum sehr durchmischt ist, von jung bis alt.

Der IG wäre es am liebsten, wenn die Gemeinde die «Tanne» verkauft, denn das Betreiben einer Gaststätte sei keine Kernkompetenz der Gemeinde. Stimmen Sie dieser Aussage zu?

Ja, natürlich. Aber die «Tanne» ist nun einmal im Gemeindebesitz. Aus-serdem hat man sie vor rund 25 Jahren für etwa sechs Millionen Franken saniert. Das war damals ein Bekenntnis zur «Tanne». Und auch wenn das Betreiben eines Gasthauses nicht zu den Kernkompetenzen gehört, so sieht dies bezüglich des «Tanne»-Saals jedoch anders aus. Wir werden von den umliegenden Gemeinden um unseren Gemeindesaal beneidet, der mit seiner vielfältigen Nutzung, ob privat oder durch die Öffentlichkeit, eine hohe Bedeutung für die Gemeinde Bauma hat.

Gut, dieses Bekenntnis zur «Tanne» und die Sanierung ist doch schon eine Weile her. Heute könnte der Wind gedreht haben.

Ja, das ist durchaus möglich. Deshalb begrüsse ich die Umfrage der IG und deshalb erarbeitet die Gemeinde ja auch mit externen Beratern eine Liegenschaftenstrategie. Im Rahmen dieser Strategie wird jede Liegenschaft, die in Gemeindebesitz ist, durchleuchtet und dazu entsprechende Fakten und Zahlen auf den Tisch gelegt. Und dann mit Blick in die Zukunft evaluiert, was für die entsprechende Liegenschaft Sinn macht. Es wäre gut möglich, dass man im Rahmen dieser Strategie zum Schluss kommt, dass es das Beste ist, die «Tanne» zu verkaufen.

Gehen wir davon aus, dass an der Umfrage der IG viele Baumer teilnehmen werden und sich ein Grossteil für den Verkauf der «Tanne» aussprechen würde. Würde der Gemeinderat aufgrund dieser Resultate dann bald eine Abstimmung durchführen?

Zu einem späteren Zeitpunkt wäre das durchaus möglich. Kurzfristig aber definitiv nicht. Zuerst muss eben die Liegenschaftenstrategie vorliegen. Zudem hat man schon einmal probiert, die «Tanne» zu verkaufen. Das hat sich, wenn ich mich recht entsinne, aber als schwierig herausgestellt, weil sich unter anderem gewisse Bieter wieder zurückgezogen haben. Man müsste zuerst ja auch den richtigen Käufer finden. Persönlich bin ich aber nicht für einen Verkauf. Ich halte es da wie mein Vater, der jeweils sagte: ‹Land und Haus verkauft man nicht›.

Wäre ein Verkauf nicht besser? Gemäss Werner Berger kostet die «Tanne» den Steuerzahler pro Jahr netto etwa 100’000 Franken. Er würde als Gemeinde ab einem Angebot von über einer Million verkaufen.

Die Kosten für die «Tanne» variieren von Jahr zu Jahr. Es kommt darauf an, ob in einem Jahr Unterhaltsarbeiten ausgeführt werden müssen oder nicht. 2016 zum Beispiel musste fast nichts gemacht werden, dementsprechend tief waren die Kosten. Generell halten sich in den letzten Jahren Erträge und Aufwendungen aber in etwa die Waage. Die grösseren Unterhaltsarbeiten im Jahre 2015 waren durch eine Aufwertung des «Tanne»-Saals begründet. Das ursprünglich investierte Kapital ist jedoch mit den Ertragsmöglichkeiten der «Tanne» nicht zu refinanzieren. Es stimmt deshalb, dass die «Tanne» etwas kostet. Dies war dem Steuerzahler jedoch bei seiner Entscheidung, die «Tanne» zu sanieren, bewusst. Ein Verkauf der «Tanne» müsste vom Stimmbürger entschieden werden. Verkaufspreise unter dem aktuellen Bilanzwert würden zu weiteren Aufwendungen für den Steuerzahler führen. Und noch zum Verkaufspreis: Eine Million, das halte ich nun wirklich für verschenkt.

Immer wieder gibt auch der Pachtzins zu reden. Schaut man sich die Jahresrechnung 2016 der Gemeinde an, dann steht bei der Position Liegenschaftenerträge bei der «Tanne» ein Betrag von 40’800 Franken. Handelt es sich dabei um den Pachtzins pro Jahr?

Ja, genau. Ab einem gewissen Umsatz ist heute zudem noch ein Anteil an Umsatzmiete fällig. Bei einem neuen Pächter verzichten wir aber auf dieses Instrument und streben im Gegenzug einen leicht höheren Pachtzins an.

Andreas Sudler  (Foto: zVg)
Andreas Sudler (Foto: zVg)

Weshalb?

Eine Umsatzmiete setzt die falschen Anreize. Ohne jemanden etwas zu unterstellen, führt dieses Instrument weder zu einem Anreiz, einen höheren Umsatz zu erzielen, geschweige denn dazu diesen höheren Umsatz der Gemeinde richtig auszuweisen.

Auf Anfang August sucht die Gemeinde einen neuen Wirt für die «Tanne». Wie sieht es da aus?

Sehr gut. Ohne ein Inserat zu schalten, sind sechs Anfragen eingegangen. Da ist uns vielleicht der Medienrummel zugutegekommen. Diesen Monat wollen wir mit den Bewerbern zusammensitzen. Unser Ziel ist und bleibt eine nahtlose Übergangslösung. Ich bin sehr zuversichtlich, dass dies klappt.

Wird aufgrund der Umfrage der IG die Mietdauer für die «Tanne» verkürzt?

Nein. Wir werden mit grosser Wahrscheinlichkeit auch mit dem neuen Pächter einen Fünf-Jahres-Vertrag abschliessen. Denn eine gewisse Konstanz ist uns wichtig. Auch wenn man dereinst zum Schluss kommt, die «Tanne» zu verkaufen, ist ein solcher Verkauf ein langer Prozess. Am Schluss müssten die Bürger auch noch ihre Zustimmung geben, je nach Betrag an der Gemeindeversammlung oder sogar an der Urne.

Die IG kritisiert auch immer wieder, dass die «Tanne» mit der Gemeinde im Rücken den Wettbewerb unter den Restaurants verzerre. Zum Beispiel, indem sie mit Angeboten lockt, die Private so nie anbieten könnten. Was sagen Sie dazu?

Ich verstehe, dass sich die anderen Restaurants an solchen Angeboten stören. Jedoch hat die Gemeinde auf das Angebot in der «Tanne» keinen Einfluss. Wenn ein Wirt rückwärts machen will, können wir ihn davon nicht abhalten. Jedoch hoffe ich, dass die Abschaffung der Umsatzmiete hier ein wenig Gegensteuer gibt.

Rolf Hug
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