Energiezentrum Felmis

Über 700 Solarmodule produzieren Strom (Foto: pa)

Dieser Tage ging die neue Photovoltaikanlage auf dem Geflügelhof Felmis ans Netz. Dank dem von der EKZ seit längerem geplanten Neubau der Stromleitung ist die Einspeisung der leistungsstarken Anlage möglich geworden.

«Geplant war eigentlich gar nichts», meint Jürg Hintermann von Geflügelhof Felmis, bekannt auch unter dem Label Stöckli-Eier. An einer Tagung für koordinierte Nutzung des Walds durch private Waldbesitzer kam er in Kontakt mit der Vereinigung natürli-Pro Zürcher Berggebiet. Diese hatte unter anderem eine Studie in Auftrag gegeben über die natürlichen Ressourcen des Oberlands. Dabei zeigte sich, dass das Potential für die Nutzung der Sonnenenergie bei etwa 220 Gigawatt/Stunde Strom und 160 Gigawatt/Stunde Wärme liegt. Der Weiler Felmis, auf einer Geländeterrasse zwischen Bauma und Saland gelegen, erwies sich als optimaler Ort für die Nutzung der Sonnenenergie − und genau da liegt der Geflügelhof Felmis mit seinen Hühnerhallen.

Jürg und Marlen Hintermann-Stöckli (Foto: pa)
Jürg und Marlen Hintermann-Stöckli (Foto: pa)

Selber nutzen

Pro Zürcher Berggebiet wollte natürlich nicht nur das Potential und die geeignetsten Standorte kennenlernen, sondern suchte auch Liegenschaftsbesitzer, die bereit wären, sich an einem Solarprojekt zu beteiligen – zum Beispiel durch Vermietung der Dachflächen an einen Investor. Doch: «Warum vermieten? Warum nicht selbst eine Anlage betreiben?», sagten sich Jürg und Marlen Hintermann-Stöckli. Bei den geringen Renditen der 2. und 3. Säule könnte die Stromproduktion eine sinnvolle Ergänzung der Altersvorsorge sein. Rund 1000 Quadratmeter Dachfläche bietet die Hühnerfarm, da liesse sich ein jährlicher Stromertrag von rund 155 Megawatt/Stunde produzieren – das würde reichen für 15 Haushaltungen. Dies wäre auch dreimal mehr als der Strombedarf der eigenen Hühnerfarm.

Glück gehabt

Eine Rückfrage beim EKZ ergab, dass für dieses Frühjahr der Abbruch der alten Freileitungen in der Felmis geplant ist. Neu soll die Stromversorgung in den Boden verlegt und gleichzeitig verstärkt werden. Diese Verstärkung ist auch die Voraussetzung für die Photovoltaikanlage des Geflügelhofs Felmis; diese kann die volle Leistung erst abgeben, wenn die Leitung bis hinunter ins Tal verstärkt wird. An der Verstärkung des Anschlusses des Geflügelhofs bis zur Hauptleitung mussten sich die Betreiber der Anlage allerdings finanziell beteiligen.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann der Geflügelhof Bauma nur etwas mehr als zwei Drittel seiner Leistung ins Netz einspeisen. Die verstärkte Leitung ins Tal soll bis Ende Jahr in Betrieb gehen.

Über 700 Solarmodule und neun Gleichrichter zieren nun die Hallen des Geflügelhofs. Sieben Wechselrichter sind an der Aussenwand der Halle gut sichtbar gegen die Strasse hin montiert; nicht nur wegen des Staubs in den Hühnerhallen, sondern auch als Werbeträger eines umweltfreundlichen Tierhalters. «Warum sollen wir zur Umwelt weniger Sorge tragen als zu unsern Hühnern?», meint Jürg Hintermann. Indirekt kommt die Anlage sogar den rund 6000 Hühnern zu Gute; die Solarmodule reflektieren das Sonnenlicht und im Sommer bilden sie einen Wärmeschild.

Sieben Wechselrichter sind sichtbar moniert und auf dem Dach inspiziert ein Huhn die neue Anlage (Foto: pa)
Sieben Wechselrichter sind sichtbar moniert und auf dem Dach inspiziert ein Huhn die neue Anlage (Foto: pa)

Ein Huhn zeigte übrigens grosses Interesse an der neuen Dachkonstruktion: es stieg aufs Dach und kroch zwischen Dach und Solarmodul (ein Zwischenraum von etwa 18 Zentimeter) wieder hinunter.

Risikofreude und Innovationsbereitschaft

Wie sich die ganze Investition schliesslich rechnet, wie sich Stromproduktion und -preis entwickelt, ist schwer zu sagen: ein Risiko ist dabei. Aber der grenzenlose Verbrauch nicht erneuerbarer Energien sei keine zukunftsweisende Alternative, meint Jürg Hintermann, und innovatives Verhalten sei schon immer ein Teil der Überlebensstrategie der ärmeren Regionen gewesen; dafür gibt es im Tösstal genug Beispiele.

Und etwas Pioniergeist gehört zur Tradition des Geflügelhofs Felmis. Schliesslich war Marie Stöckli, die Mutter von Marlen Hintermann und Erfinderin der Stöckli-Eier, eine der ersten gewesen, die in den 1960er Jahren mit neuen Hühnerrassen experimentierte. Davor gab es keine Hühner, die auch im Winter Eier legten. Erst mit den neuen Rassen ist eine ganzjährige Eierproduktion möglich und eine Hühnerfarm rentabel geworden. Die Kraft zur Innovation ist im Tösstal noch nicht erloschen: die Hühnerfarm wird Stromproduzent.